Hochspannungsleitung in Schweinheim
Hochspannungsleitung in Schweinheim

Foto: Till Benzin

Realistische Zukunftsperspektiven für die Energieversorgung 2035

und kommunalpolitische Herausforderungen in Aschaffenburg
Dieter Gerlach

Liste 5, Platz 17

Die Energieversorgung in Aschaffenburg wird sich bis 2035 vor dem Hintergrund der aktuellen Gesetzgebung grundlegend verändern. Die folgenden Szenarien halten wir für wahrscheinlich:

Stromversorgung

Bis 2035 wird sich der Strombedarf unserer Stadt durch die Elektrifizierung des Wärmesektors (Wärmepumpen) und der Mobilität auf 500–600 Millionen kWh erhöhen. Durch den Ausbau der Südlink-Stromtrasse, der Errichtung weiterer Photo­voltaikanlagen und den Ausbau der Windenergie­nutzung wird die Stromversorgung in Aschaffenburg überwiegend aus erneuerbaren Energien sichergestellt und damit klimafreundlich werden.
Batteriespeicher werden eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Stromnetzes spielen.

Wärmewende

Transformation der Gasinfrastruktur

Das 427 Kilometer lange Erdgasnetz der AVG, das heute 86 Prozent der Haushalte erschließt, steht vor einem fundamentalen Wandel. In den weniger dicht besiedelten Einfamilien- und Mehrfamilienhausgebieten wird die Wärmepumpe, entweder als Luft-Wärmepumpe oder im Falle verfügbarer kalter Nahwärme als hocheffiziente Sole-Wasser-Wärmepumpe eine zentrale Rolle spielen.

Wasserstoff wird vermutlich bis 2030 in Aschaffenburg verfügbar sein, spielt aber eine wesentliche Rolle nur im Bereich der industriellen Versorgung, Schwerlast-Mobilität und im stark verdichteten Innenstadtbereich für Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und daraus versorgte Nahwärmenetze. Für Aschaffenburg bietet sich eventuell auch die Erschließung geothermischer Potenziale oder der Anschluss an überregionale Geothermie-Wärmenetze an. Biomasse bleibt ein wichtiger regionaler Energieträger.

Kommunale Wärmeplanung: Aschaffenburg erstellt bis spätestens Juni 2028 einen Wärmeplan nach dem neuen Wärmeplanungsgesetz.

Die Energieversorgung Aschaffenburgs wird 2035 deutlich klimafreundlicher, digitaler und dezentraler sein als heute.

Die SPD Stadtratsfraktion wird diese Entwicklungen, die bereits in Bundesgesetzen verankert sind, konstruktiv begleiten und insbesondere auf Kostenentwicklung, Wirtschaftlichkeit und soziale Gerechtigkeit bei der Umsetzung achten.

Was wurde bisher erreicht?

Fernwärme-Umstellung
Seit 2010 haben die Stadtwerke fossile Brennstoffe durch Biomasse z. B. im Biomasseheizkraftwerk im Leiderer Hafen ersetzt.

Solarstrom und Photovoltaik
Bereits 1997 begann eine städtische Einspeisevergütung. Seitdem wurde in erheblichem Umfang von privaten Immobilienbesitzern aber auch durch Stadt und Stadtwerke in Photovoltaikanlagen investiert.

Wasserstoff
Die Stadtwerke Aschaffenburg betreiben seit 2022 Elektro- & Hybrid­busse; 2023 folgten 12 Brennstoffzellenbusse plus Wasserstofftankstelle. Damit ist bereits circa ein Viertel der Stadtbusflotte klimaneutral unterwegs.

Kommunale Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen
Im Rathaus, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden wurden Einsparmaßnahmen durchgeführt, LED-Straßenbeleuchtung wurde installiert, E-Autos im städtischen Fuhrpark eingesetzt.

Bürgerbeteiligung
2010 wurde bereits die Bürgerenergie Aschaffenburg BEA als Genossenschaft für Bürgerbeteiligung gegründet.

Regionales Energiewerk Untermain
Zum Ausbau der Windkraft in der Region wurde auf Initiative der Stadtwerke das regionale Energiewerk Untermain (REW) gegründet