Wasserspielplatz auf der Großmutterwiese
Wasserspielplatz auf der Großmutterwiese

Foto: Antonia Pfeiffer/Stadt Aschaffenburg

Warum macht große Hitze kleinen Kindern ­besonders zu schaffen?

Facharzt Matthias Herzog im Interview mit Sonja Wrobel
Matthias Herzog, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Liste 5, Platz 43

Sonja Wrobel

Liste 5, Platz 8

Lieber Matthias, was passiert eigentlich im Körper von kleinen Kindern, wenn es richtig heiß ist?

Kinder sind von Hitzestress stärker betroffen als Erwachsene, weil ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Gewicht größer ist. Dadurch nehmen sie mehr Energie aus der Umgebung auf. Zudem ist ihr Blutvolumen im Vergleich zum Körpergewicht geringer, was die Hitzeabgabe erschwert. Kinder schwitzen auch weniger, da sie zwar gleich viele Schweißdrüsen pro Zentimeter Haut haben wie Erwachsene, diese aber weniger leisten. Besonders bei körperlicher Aktivität kann es zu gefährlich hohen Kerntemperaturen kommen – durchaus über 40 Grad. Das bringt medizinische Probleme wie Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag mit sich. Verantwortlich dafür sind auch Flüssigkeits- und Elektrolytverluste.

Und woran merkt man, dass ein Kind die Hitze nicht gut verträgt?

Die Symptome sind verschieden, je nach Schweregrad können das sein: Schwäche, Müdigkeit, kalte und feuchte Haut, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, starker Durst, Nackenschmerzen, starker Puls, Krämpfe, Verwirrtheit und sogar Bewusstlosigkeit.

Wie reagieren Kinder denn generell bei großer ­Hitze?

Das ist individuell verschieden. Viele Kinder sind bei Hitze zunächst ruhiger und wirken schlapp. Je stärker der Hitzestress, desto eher können sie aber auch unruhig, verwirrt oder ungewöhnlich agitiert sein. Generell gilt: Jedes Verhalten, das vom Üblichen abweicht, sollte ernst genommen werden.

Und was sollten Eltern dann bei den von Dir genannten Warnzeichen tun?

Bei allen genannten Auffälligkeiten sollten Kinder sofort vor weiterer Hitze geschützt und abgekühlt werden. Besonders bei Hitzeschlag, sehr hoher Temperatur oder gestörtem Bewusstsein sollten Erwachsene sofort medizinische Hilfe über den Notruf 112 anfordern.

Gerade in den Innenstädten mit viel Beton- und ­Asphaltfläche wird die Aufheizung zu einem Problem. Welche Gegenstrategien fallen Dir dazu ein?

Am wirksamsten ist eine Umgebung mit viel Grün: Wiesen, Büsche und Bäume sorgen für Temperaturausgleich. Spielplätze und Höfe sollten möglichst wenig versiegelt sein und ausreichend Schatten bieten. Innenräume sollten gut belüftet oder klimatisiert sein. Besonders wichtig: Die Kinder müssen genug trinken, und anstrengende Aktivitäten in der Mittagshitze sollten vermieden werden.

Kleine Kinder verbringen ja auch viel Zeit in ­Kindergärten und Krippen. Wie heiß darf es da in Gruppenräumen werden?

Ab 35 Grad Raumtemperatur dürfen Räume nicht mehr genutzt werden. Bereits ab 26 Grad sollen Maßnahmen wie Beschattung und Belüftung getroffen werden, und ab 30 Grad sind solche Maßnahmen Pflicht.

Sind also Klimaanlagen und bauliche Maßnahmen sinnvoll?

Ja, unbedingt! Klimaanlagen und Verschattungen sind wichtige und effektive Maßnahmen gegen Überhitzung.

Was müssen Einrichtungen aus ärztlicher Sicht tun?

Es gibt klare Vorschriften – etwa im Arbeitsschutzgesetz und in den Empfehlungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Einrichtungen sollten diese Vorgaben einhalten und sich bei Bedarf professionell beraten lassen. Und besorgte Eltern sollten den Dialog mit dem Träger suchen und auf die Einhaltung der geltenden Vorschriften drängen.

Hitzeschutz für Kinder

Warum sind Kinder bei Hitze besonders gefährdet?

  • Kinder nehmen mehr Wärme auf: Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zum Gewicht größer
  • geringeres Blutvolumen und weniger Schwitzen erschweren die Hitzeabgabe
  • hohe Belastung kann zu gefährlichen Kerntemperaturen über 40 °C führen

Typische Symptome & Warnsignale

  • Hitzeerschöpfung: Schwäche, Müdigkeit, kalte und feuchte Haut, Übelkeit, Fieber, Durst
  • Sonnenstich: Kopfschmerzen, Schwindel, heißer, roter Kopf, Übelkeit, Erbrechen, Nackenschmerzen
  • Hitzeschlag: Sehr hohe Körpertemperatur, heiße und trockene Haut, hoher Puls, Krämpfe, Erbrechen, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit

Wie verändert sich das Verhalten?

  • Kinder können ruhiger und schlapp sein oder – bei stärkerem Hitzestress – unruhig und verwirrt wirken
  • Jedes Verhalten, das vom Üblichen abweicht, ist ernst zu nehmen

So schützen Sie Ihre Kinder am besten:

  • Aufenthalte im Grünen (Wiesen, Bäume, Büsche)
  • Wenig versiegelte Flächen auf Höfen und Spielplätzen aufsuchen
  • Auf ausreichend Schatten und gute Belüftung/Klimatisierung drinnen achten
  • Viel trinken lassen
  • Anstrengende Aktivitäten in der Mittagshitze vermeiden

Was ist im Notfall zu tun?

  • Sofort aus der Hitze bringen und abkühlen
  • Bei Anzeichen von Hitzschlag oder Bewusstseinsstörungen:
  • Notruf 112 wählen